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Zerschlagung der parteifeindlichen Clique um Jang Song Thaek
#21
Hier noch ein interessanter Vorwurf: "Moreover, Jang turned down the unanimous request of the service personnel of a unit of the Korean People's Internal Security Forces to have the autograph letter sent by Kim Jong Un to the unit carved on a natural granite and erected with good care in front of the building of its command. He was so reckless as to instruct the unit to erect it in a shaded corner."

Hier noch die TV-Verkündigung seiner Exekution:

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#22
Auch der Bericht von naenara zeigt, dass es eigentlich ein politischer Prozeß war und kein Strafprozeß.
Welche Öffentlichkeit war anwesend?
AP, die ein Büro in Nordkorea haben, war wohl nicht eingeladen, habe jedenfalls keinen Bericht von AP gefunden.
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#23
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#24
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#25
Ob das der deutsche Botschafter in Nordkorea wirklich so gesagt und gemeint hat:

"...While rumors continue to fly about the exact circumstance of Jang’s dismissal, Thomas Schaefer, the German ambassador to North Korea, said at a seminar in Berlin that Kim Jong-un appeared to have been pressured to oust his uncle by hard-liners in the military...." ?!

(Quelle: http://www.worldaffairsjournal.org/conte...ial-purged)
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#26
Hallo zusammen,

nachdem ich mich nun lange hier im Forum, bei diversen Blogs, Homepages (ein großes Dankeschön an dieser Stelle an rroft!!!) und Tageszeitungen mit diesem Fall beschäftigt habe, bin ich immer noch unschlüssig, was ich von der ganzen Sache halten soll...

Klar, die Hardliner jubeln darüber, dass Jang Song Thaek ermordet wurde (ich wähle diesen Ausdruck absichtlich, da ein Mord ein Mord bleibt, auch wenn es eine Hinrichtung war).

Klar, dass die westliche Presse aufschreit, weil von ihm vielleicht hätten Reformen ausgehen können, die den Weg Nordkoreas in eine pro-westliche Richtung geändert hätte. Wir wissen es nicht. Aber wenn ich den Zitaten von seinem "Geständnis" auf der Homepage der Kommunistischen Initiative glauben darf, hatte er das wohl vor. Siehe: Ich dachte die Armee könne zum Putsch genutzt werden, wenn sich die Lebensbedingungen der Menschen in Zukunft weiter verschlechtern. (...) Ich habe keinen bestimmten Zeitpunkt für den Staatsstreich gehabt, aber es war meine Absicht meine Abteilung und alle Wirtschaftsorgane auf einen Putsch zu konzentrieren wenn die Wirtschaft völlig bankrottgeht und der Staat am Rande des Zusammenbruchs gestanden hätte. Dann hätte ich beiseite geschaffte Produkte an das Volk und wichtige Entscheidungsträger verteilt, die dann sich für mich entschieden hätten - so wäre der Putsch erfolgreich geworden. Zitat aus: Homepage der "Kommunistischen Initiative"

Nun meine Frage: Wäre eine Verbesserung der Situation - vor allem bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und auch der wirtschaftlichen Situation so schlimm gewesen? Das Land ist momentan sowieso abhängig vom Ausland und die Situation ist so schlimm, weil ständig neue Sanktionen dazukommen. Also ein Teufelskreis, der irgendwann mal irgendwie durchbrochen werden müsste. Vielleicht hatte Jang Song Thaek ja tatsächlich hehre Ziele, die von Parteikadern nicht gebilligt wurden. Wir wissen es nicht...

Auch wenn ich eine sehr linke Gesinnung habe (wobei mir die "Kommunistische Initiative", die MLPD, oder lustigen Juche-Truppen aus England und der Schweiz ein Stückchen zu abgehoben, weltfremd und verkopft sind), muss ich sagen, dass Jang Song Thaek vielleicht erkannt hat, dass es so in Nordkorea nicht mehr weitergehen kann, da sich das Land - Konform zur Juche-Ideologie - immer weiter auf sich selbst bezieht und dadurch vom Rest der Welt abkapselt. Vielleicht hätte nach einem erfolgten Putsch eine abgeschwächte Form des jetzigen Weges eingeschlagen werden können um durch vorsichtige Reformen die Lebenssituationen der Menschen in Nordkorea zu verbessern. Ich glaube, niemand wird bestreiten wollen, dass die Lebenssituationen der Menschen nicht besonders gut sind (dazu siehe den Welthunger-Index 2013 der Welthungerhilfe, die seit der großen Hungersnot in den '90er-Jahren dort tätig ist: Welthunger-Index 2013). Und das kann nicht im Interesse der Führung sein.

Und noch was zu den Jubelschreien wegen des Mordes an Jang Song Thaek: Auf den ganzen Kommunisten-Seiten im Internet wird das verharmlost und sofort mit den Morden von Seiten der USA und anderen westlichen Ländern im Rahmen von Kriegen oder Hinrichtungen aufgrund von Straftaten verglichen. Leute - Mord bleibt Mord! Egal, ob er jetzt im Rahmen eines Krieges oder wegen einer Verurteilung wegen mehrfachen Mordes, etc. stattgefunden hat! Es ist so, dass der Mensch tot ist und nicht mehr wieder kommen wird und derjenige, der ihn umgebracht hat, hat sich des Mordes schuldig gemacht, egal, ob der Mord jetzt durch ein Gesetz, eine Ideologie oder durch Kriegsrecht "gerechtfertigt" wird. Ach ja - und was mir wirklich bitter auf der Seite der "Kommunistischen Initiative" aufgestoßen ist, ist die antizionistische Haltung, die mich doch sehr an eine Rhetorik erinnert, über die wir doch als links denkende längst erhaben sein sollten. Nicht dass alles toll und wollig ist, was Israel so macht (siehe das nach wie vor ungelöste Problem mit Palästina, der ewige Zwist mit dem Iran, etc.), aber trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass Millionen Juden zusammen mit ein paar tausend Kommunisten das gleiche unsagbare Leid in deutschen Konzentrationslagern ertragen mussten. Und die Juden waren in diesen Konzentrationslagern gerade wegen einer antizionistischen Haltung, die die Regierung damals hatte (siehe auch dazu den durchaus lesenswerten Artikel zum Thema Antizionismus auf Wikipedia: Wikipedia). Leute, seid vorsichtig!

In diesem Sinne!
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#27
...noch ein Nachtrag.
Auf YouTube gibt es ein sehr interessantes Video zum Thema: ntv-Bericht. Vor allem die Einschätzung von Eric Ballbach (FU Berlin, Korea-Studien) zur politischen Lage nach der Ermordung von Jang Song Thaek ab 9:26 min ist sehr interessant.
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#28
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#29
Versammlungen in Ministerien, Institutionen, Industriebetrieben, Kooperativfarmen, Universitäten und Schulen wurden überall in der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) durchgeführt, um den Beschluss der erweiterten Tagung des Politbüros des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) zu unterstützen und dem Marschall Kim Jong Un Loyalität zu schwören. Der Bericht der erweiterten Tagung wurde verlesen, gefolgt von Reden. Die Redner betonten, dass die Tagung den Sieg der einheitlichen Führung der Partei garantiert habe.
Die koreanische Revolution hat Siege bei der Verteidigung des Sozialismus und beim Aufbau einer blühenden Nation errungen dank der Führung des Präsidenten Kim Il Sung und des Führers Kim Jong Il. Eine Partei könne ihrem revolutionären Charakter als Partei des Führers nur dann treu bleiben, wenn sie ihre Einheit und Geschlossenheit basierend auf einer einzigen Idee und einer einzigen Führung aufbaue. Diese eiserne Wahrheit sei in den beinahe 7 Jahrzehnten der Geschichte der PdAK bewiesen worden.
Die Tradition von Mangyongdae und vom Päktu-Gebirge könne niemals geändert werden, ungeachtet dessen, wieviel Wasser unter der Brücke durchfließe und wieviele Generationen durch neue abgelöst würden. Die Teilnehmer der Versammlungen brachten zum Ausdruck, dass sie niemand anderen als Marschall Kim Jong Un kennen und dass sie seine Führung mit Loyalität hochhalten würden. Die Versammlungen sandten Treuebriefe an Marschall Kim Jong Un. (Schweizerisches Korea-Komitee)
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#30
Wenn ich mal meine persoenliche Analyse beisteuern darf ...

Ich denke es kommen zwei Faktoren zusammen, der alte Jang Song Thaek wollte und konnte nicht sehen, dass es die Aufgabe eines Mentors oder Coaches ist, einen jungen Chef zu unterstuetzen, dass der Chef aber die Entscheidungen trifft.
Gerade in dem vom Senioritaetsprinzip gepraegten Korea ist es fuer einen altgedienten Kader sicher schwer zu verkraften, von einem 30 Jahre Juengerer die Befehle zu bekommen.

Punkt zwei und schwerwiegender: Jang Song Thaek war haeufiger in China, hat sich dort die Reformen angesehen, und ist dabei korrumpiert worden. Ich weiss ja, wie Chinesen, vor allem in den Nordostprovinzen, Geschaefte machen. Wein, Weib und Gesang sind Mittel, um gute Konditionen auszuhandeln. In dem Umfeld wurden fuer Jang Song Thaek dann bald die eigenen Vorteile wichtiger als die Interessen des Staates.
Und wenn jemand in der Position erst einmal auf die schiefe Bahn gekommen ist, gibt es kaum noch ein Zurueck. Die Konsequenz: Fraktionsbildung bis hin zu Putschplaenen, um fuer die eigenen Verfehlungen nicht gerade stehen zu muessen.

Ungewoehnlich, zumindest in der juengeren Geschichte Nordkoreas ist, dass Jang Song Thaek nicht einfach von der Buehne abgetreten ist, sondern dass es einen oeffentlichen Prozess gab und eine Massenkampagne, die bis heute andauert.
Das laesst zwei Interpretationen zu:
1. Ein neuer Stil von Kim Jong Un, der eine engere Verbindung zu den Massen pflegt als sein Vater, der die (nationale) Oeffentlichkeit nicht scheut.
2. Jang Song Thaek hat sich soviel Einfluss verschafft, das es einer Massenkampagne bedarf, um seine Fraktion und ungesunde Tendenzen, die er toleriert/befoerdert hat (Korruption etc.) zurueckzudraengen.

Wahrscheinlich wohl eine Kombination von Beidem.
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