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Katholische Kirche in Nordkorea
#1
Als gläubiger Christ hört man ja viel über Christenverfolgung in Nordkorea, da ich aber eine objektive Sicht gerne hätte, frage ich bei Ihnen an

1. Gibt es katholische Kirche in Nordkorea? Werden die Gottesdienst auf Latein oder Koreanisch gelesen?
2. Gibt es katholische Gottesdienste in Nordkorea?
3 Wer ist Bischof in Nordkorea?
4. Dürfte der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. nach Nordkorea einreisen?
5. Können Sie mir ein katholisches, nordkoreanisches Gebetsbuch schicken?
6. Welche Bedeutung hat das Christentum in Nordkorea?
7. Ist das Christentum in Nordkorea erlaubt?
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#2
Ich kann nur zu Punkt 4, 6 und 7 etwas sagen.

Punkt 4:
Ich denke, dass dies nicht einfach werden würde, da der Papst sich wohl weniger gerne darin einschränken lassen wird was er sagt. Natürlich könnte er die Rede bzw. Predigt die er möglicherweise halten würde anpassen, doch glaube ich dass der nordkoreanischen Führung eine solche Autorität eher ungern ins Land kommt. Weitere, fast noch wichtiger Gründe kommen in Punkt 6 und 7.

Punkt 6:
Soweit ich weiß, galt Nordkorea bzw. allgemein Korea, als eine der Hochburgen des Christentums in Fernost. Es gab wohl keine riesige Anzahl an Christen, doch neben Buddhisten und Konfuzianisten eine beachtliche Menge. Heute soll jedoch eine große Menge der Bevölkerung durch den Einfluss von Propaganda etc. konfessionslos sein.

Punkt 7:
Eigentlich schon, doch heißt es, dass praktizierende Christen in Umerziehungslager interniert würden. 1907 soll es in Pjöngjang an die 100 Kirchen gegeben haben und eine Gemeinde von 13000-14000 Christen. Ich weiß jedoch nicht welche Konfession. Wahrscheinlich eine Mischung aus Protestanten, Katholiken und Russisch-Orthodoxen. 2006 hat eine russisch-orthodoxe Kirche in Pjöngjang ihre Pforten geöffnet, es ist heute die Vierte (vor 105 Jahren noch 100!).
Seit 9 Jahren steht Nordkorea auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex von Christen.

Der Papst dürfte also nicht sonderlich willkommen sein.
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#3
Nordkorea gilt als das Land, welches Christen am stärksten verfolgt und unterdrückt.
Dies hat sicher viele Gründe. Zum einen den Führerkult ind Nordkorea, der keine Götter neben sich duldet. Im Kommunismus ist ausserdem Religion schon immer Pfui gewesen.
Zudem hat das Christentum in Korea eine sehr starke Tradition, ist in Südkorea aktuell immer noch sehr stark. Wahrscheinlich würde eine Religion wie der Islam genauso verfolgt, so es ihn in NK gäbe.
Die Unterdrückung von Religion ist eigentlich der generell repressiven Haltung Nodkoreas gegen alles geschuldet, was nicht Juche oder Songun ist und nicht ins System passt. Und repressiver als Nordkorea ist innenpolitisch kaum ein Staat auf der Welt- kein Wunder also, daß dies auch für die Religionsausübung gilt.

Offziell gibt es aber Kirchen und auch Gottesdienste, zumindest vereinzelt. Ob dies nur ein Feigenmäntelchen ist? Es wird vermutet, obwohl die freie Religionsausübung in der Verfassung verankert ist. Aber eben nur, solange sie sich nicht gegen den Staat richtet. Diese Definition kann immer ausgelegt werden, wie sie (die Regierung) will.

Mehr Informationen bekommt man vor allem bei dem Hilfswerk opendoors, googeln macht hier schlau.

Die meisten Deiner Fragen erklären sich somit fast wie von selbst...
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#4
Das Christentum ist traditionell in der DVRK verpönt, weil damals die Pfarrer in der Kolonialzeit eine Sache mit den Feudalherren machten. Nach der Revolution wurden sie vertrieben, und nicht umsonst wird der Süden als ein "korruptes christiliches Regime" beschrieben/verspottet. Diese Abneigung ist aber auch vollkommen richtig, da dass Christentum meiner Meinung nach am meisten Dreck am Stecken hat. Ich bin ja immer noch für die Auflösung sämtlicher Kirchen im Westen ("Opium fürs Volk"?).

@NichtHurz: Die Verfolgung von Religion hat nicht mit dem Personenkult zu tun, ganz im Gegenteil sogar. In der DVRK haben sie die historischen und dialektischen Materialismus als Philosophie, welche Religion schon aus Prinzip wissenschaftlich ablehnt.
Das der Personenult die Religion ersetzt hat, ist meiner Meinung nach nur von Leuten behauptet worden, die sich noch nie mit der Theorie ("Theorie und Praxis ergänzen sich" - Lenin) der DVRK beschäftigt haben.
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#5
Das habe ich nie behauptet. Was ich meinte war, dass der Papst eine wirklich einflussreiche Person ist und man wohl lieber niemanden im Land hat, der soviel Einfluss auf die Öffentlichkeit haben könnte (wobei der Zulauf gering sein dürfte und die Nordkoreaner durch Propaganda gewappnet sind). Er ist halt kein Politiker, der sich mit der nordkoreanischen Führung unterhalten will, sondern jemand der neben einem Gespräch mit der Obrigkeit auch die Öffentlichkeit ansprechen möchte.
Es wäre schon interessant, sollte der Papst oder noch lieber der Dalai Lama (ob der in einem so eng mit China verbundenen Land gerne gesehen ist?) einmal ein Gespräch mit der nordkoreanischen Führungsriege haben. Insbesondere die Berichtserstattung im nachhinein würde mich interessieren.
Ich selbst bin wie gesagt kein Freund der 4 Weltreligionen (exkl. Buddhismus, welchen ich weniger kritisch sehe), doch sind die Mittel im Umgang mit Christen in keinster Weise gerechtfertigt. Solange es niemanden schädigt, sollen Menschen ihre Religion leben wie sie wollen. Wobei Papstbesuche die Staats- oder Landeskasse schon schädigen, aber dies ist nochmal was Anderes.
Atheismus? Gerne. Erfolgt durch Verfolgung? In keinem Fall!
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#6
Wäre es denn möglich mit einem katholischen Priester (in Amtskleidung) nach Nordkorea zu reisen?
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#7
(07.06.2012, 19:57)Weiterdenker schrieb: Wäre es denn möglich mit einem katholischen Priester (in Amtskleidung) nach Nordkorea zu reisen?
Wer, wie und mit welchen Absichten ist die Frage. Amtskleidung könnte schwierig werden denke ich.
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#8
Also zumindest die Russisch-Orthodoxen dürfen in ihrer Kleidung kommen:




Hier ein Gedenkgottesdienst in der Russisch-Orthodoxen Kirche für Kim Jong Il:




Ist zwar nicht die Katholische Kirche, dürfte aber dennoch interessant sein.
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#9
Nein, ich glaube nicht, daß man einem Priester in Amtskleidung etwas tun würde, wenn er aus dem Ausland kommt. Die Blöße würde sich Nordkorea niht geben. Und wenn er wieder weg geht und vorher keinen großen Trubel vetursacht hat, ist es für die Regierung auch ziemlich ungefährlich.
Der Papst allerdings oder gar der Dalai Lama- never ever.
Die wirst Du als Gäste von Nordkorea erst sehen, wenn sich die politischen Vehältnisse deutlich gewandelt haben.

Noch etwas zum Atheismus und der Ablehnung von Religion. Auch ich bin kein gläubiger Mensch, achte aber den Glauben anderer, egal welcher Konfession. Insofern würde ich mir Toleranz wünschen, ähnlich wie von NichtHurz gefordert. Zumindest gegenüber denen, die keine Fundamentalisten und Hassprediger sind.

Juche, Du lehnst Religion als Kommunist ab, das ist klar. Du hast Deine eigenen Götter, für Dich ist der Kommunismus wie eine Religion, Stalin anscheinend fast wie ein Gott.

Sowohl Religion wie politischer Extremismus waren in der Geschichte Anlaß oder Grund für eine Menge Unheil auf der Welt und erheben beide einen sehr starken Anspruch auf die alleinige Seeligmachung. Vielleicht können Religiöse und Kommunisten deshalb nicht miteinander, weil sie sich so ähnlich sind? Wie beim Highlander: "Es kann nur einen geben!"
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#10
Zu dem Thema finden sich u.a folgende Beiträge:

http://www.kirche-am-ball.de/laenderinfo...nordkorea/

Und ein paar kurze Dokus hier:

http://www.youtube.com/watch?v=k48XDbeuk...re=related
http://www.youtube.com/watch?v=0f_lg4QG2iY
http://www.youtube.com/watch?v=UekeoWYuv_Y

(07.06.2012, 18:44)Weiterdenker schrieb: Als gläubiger Christ hört man ja viel über Christenverfolgung in Nordkorea, da ich aber eine objektive Sicht gerne hätte, frage ich bei Ihnen an:

1. Gibt es katholische Kirche in Nordkorea? Werden die Gottesdienst auf Latein oder Koreanisch gelesen?
2. Gibt es katholische Gottesdienste in Nordkorea?
3 Wer ist Bischof in Nordkorea?
4. Dürfte der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. nach Nordkorea einreisen?
5. Können Sie mir ein katholisches, nordkoreanisches Gebetsbuch schicken?
6. Welche Bedeutung hat das Christentum in Nordkorea?
7. Ist das Christentum in Nordkorea erlaubt?

Ein paar Antworten könnte ich hierzu geben:

1. Es gibt offiziell vier Gotteshäuser in Pyongyang, die unter staatlicher Obhut stehen. Zwei protestantische und eine röm. kath Kirche. Desweiteren eine orthodxes Gotteshaus. Sie lassen sich zu bestimmten Terminen besuchen und es werden dort auch Gottesdienste abgehalten.

2. (siehe Punkt 1.)

3. Es gibt keinen offiziellen Bischof im Land. Geistliche reisen jedoch ab und an ins Land. Ein Pabstbesuch gab es bisher noch nicht.

4. (siehe Punkt 3.)

5. Es gibt kleine gedruckte Handbücher für die Gottesdienste. Diese werden bei Besuch ausgehändigt und auch wieder eingesammelt.

6. (siehe Punkt 1.)

7. Offiziell finden Gottesdienste nur in Pjönjang statt. (siehe Punkt 1. und 3.).
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