(31.01.2013, 11:46)Eugen613 schrieb: Die Kriegsrhetorik auf der koreanischen Halbinsel strebt einem weiteren Höhepunkt entgegen.
Zeitungen berichten, dass in Nordkorea für Streitkräfte quasi Gefechtsbereitschaft angeordnet hat.
Vielleicht sollte man diese erhöhte Gefechtbereitschaft etwas relativieren.
Wenn man die Medienberichte der letzten Jahre verfolgt, befinden sich die Truppen Nordkoreas ohnehin oft oder fast ständig in einem angespannten Alarmzustand.
- Kim Jong Ils-Tod- erhöhte Gefechtsbereitschaft
- diverse Raketentest- erhöhte Gefechtsbereitschaft
- Beschießung dieser südkoreanischen Insel- erhöhte Gefechtsbereitschaft
- Übergangsphase zu Kim Jong Un dito...
Man kann aber Menschen nicht permanent unter solchem seelischem Druck halten.
Zur Erläuterung :
In der NVA der DDR galten 4 Stufen der Gefechtsbereitschaft, die in leichten Abwandlungen sich in allen Ostblockarmeen wiederfanden.
der Normalfall war die "Ständige Gefechtsbereitschaft"
Diese galt permanent. Dazu gehörte, daß sich 85% des Personalbestandes im Objekt oder zumindest im Standort verfügbar zu halten hatte. Die tägliche Gefechtseinteilung hatte sicherzustellen, dass die gesamte Kampftechnik bei Alarmierung in den WKR (Wechselkonzentrierungsraum) überführt werden konnte.
Das war meist ein Wald in ca 5 km Entfernung.
Für Bundeswehrsoldaten unvorstellbar.
85% der leute ständig am Standort- kein Wunder, daß einfache Soldaten nur alle 3 Monate auf Urlaub kamen.
Danach kam:
Erhöhte Gefechtsbereitschaft (Deckname Arbeitseinsatz grün) das war eine Vorbereitungstufe für weitere Maßnahmen. Der Personalbestand wurde komplett in die Kaserne befohlen und die Ausrüstung und Bewaffnung für die folgenden Stufen der Gefechtsbereitschaft vorbereitet. In der Regel erfolgte nur die Alarmierung und Besetzung der Technik im Park.
Ich nehme an, Nordkoreas Fußsoldaten leben ständig unter dieser Stufe.
Dann kam:
Gefechtsbereitschaft bei Kriegsgefahr Das war die Stufe zur Vorbereitung der Mobilmachungsmaßnahmen. Sie beinhaltete u.a. die Entkonservierung der eingelagerten Technik. Bei Bautzen z.B. waren unterirdisch und in Hallen hunderte T34/85 des 2. Weltkrieges und der 50er Jahre eingelagert- Die wurden fahrbereit gemacht.
Und zum Schluß kam :
Volle Gefechtsbereitschaft......(Deckname Arbeitseinsatz Rot)
Diese beinhaltete die Verlegung der Einheiten mit kompletter Besetzung in die Wechselkonzentrierungsräume und die personelle und materielle Auffüllung aller Reservetechnik.
Zu Übungszwecken wurde diese mit verschiedenen Einschränkungen ausgelöst.
Während meiner NVA-Zeit wurde sowas zu Übungszwecken wirklich
2-3mal im Jahr gemacht. Meist ging es dann gleich weiter raus auf irgendeinen Übungsacker zum Manöver.
Geholfen hat es am Ende nichts

Ich möchte damit sagen:
Man sollte das nicht überbewerten.
Wenn im Normalfall die Situation in der Armee schon so angespannt ist, kann man nicht mehr viel an Spannung erhöhen.
Wenn Männer wochenlang mit Gewehr neben dem Bett schlafen und die Uniform nicht ausziehen dürfen, verliert das Ganze seinen Sinn und seinen Schrecken.
Oftmals dienten solche Bereitschaften auch nur der Ruhigstellung der Truppe.
Und ehrlich gesagt- Satelliten kriegen sehr schnell mit, wenn wirklich Truppen ausrücken.
