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Frage
#3

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„Politisch-ideologische Markenzeichen der KPD sind dogmatischer Stalinismus, DDR-Verherrlichung sowie permanente Huldigungen an die ’Koreanische Demokratische Volksrepublik‘ (KDVR) und deren Führung“

Der Erklärung von ml91 ist nur zuzustimmen.
An dieser Stelle möchte ich die Einstellungen wichtiger linker (oder sich als links verstehender) Organisationen zu Nordkorea – hauptsächlich anhand von Nachrufen auf Kim Jong Il – im O-Ton wiedergeben:

In der Ablehnung des koreanischen Gesellschaftssystems und der politischen Führung des sozialistischen Korea sind sich Linkssozialdemokraten, Trotzkisten, Maoisten und Anhänger Enver Hoxhas überraschenderweise einig.
Für die linkssozialdemokratische Partei DIE LINKE erklärte Stefan Liebich am 19. Dezember 2011: „Der von den politischen Machthabern verfolgte Autarkie-Kurs hat den Menschen in Nordkorea geschadet. Aller Propaganda zum Trotz sind Unterentwicklung, Hunger, Repression, Militarisierung, ein gefährliches Atomprogramm und Unberechenbarkeit für die Region die Ergebnisse dieser Politik.“
Die trotzkistische Partei für Soziale Gleichheit ließ durch ihr Internetorgan „WSWS“ zwei Tage später verlautbaren: „Kim Jong Il war der Führer eines repressiven stalinistischen Regimes, das nicht die Interessen der nordkoreanischen Arbeiter und Bauern vertrat, sondern die einer privilegierten bürokratischen Elite.“
Die ebenfalls trotzkistische Revolutionär-Sozialistische Organisation veröffentlichte schon 2009 ein Machwerk mit dem Titel „Stalinismus in Nordkorea“, in dem es hieß: „Dieses Regime, das mit seiner blutigen Repression, seinem absurden Personenkult und seiner quasi-religiösen Ideologie eine unendliche Verhöhnung des Begriffes ’Sozialismus‘ darstellt, muss gestürzt werden! Gleichzeitig sprechen wir uns entschieden gegen imperialistische Angriffe auf (oder auch Wirtschaftssanktionen gegen) Nordkorea aus.“
In einem Kommentar zum Ableben Kim Jong Ils, den sie in ihrer Wochenzeitung „Rote Fahne“ vom 22. Dezember 2011 veröffentlichte, rechnete die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands Nordkorea zu den „revisionistisch entarteten ehemaligen sozialistischen Ländern“ und kritisierte „den bürokratischen Familienclan der Kims“, hinter dem sie gar eine „Kim-Dynastie“ entdecken wollte. „Die herrschende Klasse Nordkoreas liefert Steilvorlagen mit Erbhöfen für Spitzenämter nach feudalem Vorbild usw. Nach der Abkehr vom Sozialismus ist Nordkorea nicht nur ein Land von gestern, sondern von vorgestern“, urteilte sie. (Im Jahre 1972 hatte der Vorgänger der MLPD, der Kommunistische Arbeiterbund Deutschlands, in seiner Grundsatzerklärung „Vorwärts zum Sozialismus“ noch lobende Worte für Pjöngjang gefunden.)
Die Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands beklagte im April 2011 „die antidemokratisch-feudalen Praktiken in Nordkorea“. Im Oktober desselben Jahres bemerkte eines ihrer Mitglieder in einem Referat auf einem Seminar zum Thema „Grundlagen einer kommunistischen Partei und wie können wir diese schaffen?“: „Der Revisionismus hat hier gründliche Arbeit geleistet und leistet sie auch heute noch weiter, wenn verschiedene Organisationen ständig ’neue‘ angebliche sozialistische Länder entdecken, wie z.B. bei Gaddafis Libyen, in China, in Nordkorea, in Kuba.“
Die Deutsche Sektion der Kommunistischen Internationale (Stalinisten-Hoxhaisten) bekräftigte anlässlich des Todes von Kim Jong Il ihre Erklärung vom 18. Januar 2003: „[D]ie Arbeiterklasse Nordkoreas muss mit einer neu zu schaffenden marxistisch-leninistischen Partei, die begründet ist auf den Lehren der fünf Klassiker, die gewaltsame proletarische, sozialistische Revolution durchführen und die Diktatur des Proletariats in ihrem Land herstellen, und zwar auf den Trümmern des revisionistisch-sozialfaschistischen Regimes. (…) Nordkorea war nie sozialistisch. Es hat seinen Kapitalismus nur mit dem Mantel des Sozialismus getarnt, um die Arbeiter und das Volk zu täuschen. An der Macht befand sich nie die Arbeiterklasse, sondern ein bourgeoiser Familienclan, der die Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen in Nordkorea mit den antimarxistischen, konterrevolutionären, reaktionären Kim-Il-Sung-Ideen rechtfertigt. (…) Das sozialfaschistische Regime in Nordkorea befindet sich in einer schweren Krise, steht vor dem Zusammenbruch und ist nicht bereit, freiwillig abzutreten. Die sozialchauvinistischen Drohungen der nordkoreanischen Bourgeoisie mit einem Atomkrieg haben einen realen Hintergrund. Sie sind daher nicht nur für den US-Imperialismus gefährlich, sondern vor allem für die Bevölkerung im eigenen Land, sowie für alle Völker der Welt. Es ist durchaus nicht ’proimperialistisch‘, wenn wir die Völker vor dieser Gefahr warnen, und sie auffordern, dem Regime in Nordkorea die Atombombe gewaltsam aus der Hand zu reißen. Das tun wir nicht im Auftrag der US-Imperialisten, sondern im Auftrag der Menschheit. Das macht den Unterschied aus! (…) Krieg dem US-Imperialismus kann niemals heißen: Frieden mit den nordkoreanischen Sozialfaschisten!“
(Ein weiterer Treppenwitz der K-Gruppen-Geschichte: Im Oktober 1975 hatte der Vorgänger der beiden letztgenannten Gruppen, die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten, die „Partei der Arbeit Koreas mit dem Genossen Kim Il Sung an der Spitze“ noch der Unterstützung der KPD/ML sowie „aller revolutionären und fortschrittlichen Menschen unseres Landes“ versichert.)

Die Anzahl der Organisationen, die Nordkorea freundschaftlich verbunden sind, ist deutlich überschaubarer als die der sich links gebenden Nordkoreagegner.
Die Deutsche Kommunistische Partei nahm schon früh nach ihrer Gründung Beziehungen zur PdAK auf. Sie „hat z. B. 1993 eine Delegation nach Nordkorea geschickt; diese Kontakte führten aber zu keiner nennenswerten Intensivierung der Beziehungen zwischen der DKP und der Partei der Arbeit Koreas“, heißt es im Buch „Der Kommunismus in Westeuropa: Niedergang oder Mutation?“. Inzwischen bezieht die DKP eher eine wankelmütige Position zu Nordkorea: so kritisierte das Sekretariat des Parteivorstandes 2006 jenen Atomtest, der das Abschreckungspotenzial Koreas den Imperialisten der ganzen Welt deutlich machte.
Die Kommunistische Partei Deutschlands setzt die von der ehemaligen SED begründete Tradition der Freundschaft mit den koreanischen Kommunisten stolz fort, wobei sie sogar in engem Kontakt zur Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea steht. „Politisch-ideologische Markenzeichen der KPD sind dogmatischer Stalinismus, DDR-Verherrlichung sowie permanente Huldigungen an die ’Koreanische Demokratische Volksrepublik‘ (KDVR) und deren Führung“, so der thüringische Verfassungs„schutz“bericht von 2010 (viel Feind, viel Ehr!).
Die inzwischen moribunde Kommunistische Initiative Deutschland erkannte in ihrem Nachruf auf Kim Jong Il die „Leistungen und Errungenschaften des nordkoreanischen Volkes und Staates“ an. Sie würdigte Nordkorea als „konsequent sozialistischen Staat, dessen Bürger sich der Diktatur des Finanzkapitals, Ausbeutung und Unterdrückung entziehen“ und begrüßte seine „Bereitschaft, den Sozialismus gegen jeden Aggressor zu verteidigen“. Die KI betonte: „Als Kommunisten stehen wir selbstverständlich solidarisch an der Seite des nordkoreanischen Volkes und seiner Führung im Kampf gegen Destabilisierung und Aggression. Bisher haben sie – im Unterschied zu fast allen ehemals sozialistischen Staaten – den Sozialismus erfolgreich verteidigt und seinen Aufbau fortgesetzt. (…) Wir sprechen dem nordkoreanischen Volk unser tief empfundenes Beileid zum Verlust seines großen Führers aus und versichern es für die Verteidigung und den weiteren Aufbau des Sozialismus unserer Solidarität.“
Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend, die als „inoffizieller Jugendverband der DKP“ betrachtet wird, erklärte in einem Artikel, der in ihrer Zeitschrift „Position“, Nr. 4/2010, veröffentlicht wurde: „Dieses Land geht seinen eigenen Weg – mit durchaus auch nennenswerten Errungenschaften – und wir sollten angesichts der imperialistischen Bedrohung solidarisch mit ihm sein.“
In der einflussreichen marxistischen Monatszeitschrift „RotFuchs“ erschien im Juni 2012 ein Artikel des Chefredakteurs Klaus Steiniger, der mit den Worten schloss: „Angesichts fortgesetzter Provokationen – damit meine ich vor allem die Jahr für Jahr abgehaltenen gemeinsamen Manöver der US-Besatzer und südkoreanischer Einheiten mit nördlicher Stoßrichtung – bleibt die Solidarität mit den Bürgern der DVRK auch heute ein internationalistisches Anliegen aller Kämpfer gegen den Imperialismus.“

Ich hoffe, hiermit die eingangs gestellte Frage zur Genüge beantwortet zu haben.
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Nachrichten in diesem Thema
Frage - von Weiterdenker - 03.02.2013, 20:19
RE: Frage - von ml91 - 03.02.2013, 20:27
Die deutsche Linke und ihr Verhältnis zu Nordkorea - von rroft - 03.02.2013, 23:15
RE: Frage - von K70-Ingo - 03.02.2013, 23:32
RE: Frage - von NichtHurz - 03.02.2013, 23:49
RE: Frage - von Leser - 04.02.2013, 10:27
@Leser - von rroft - 04.02.2013, 11:02
RE: @Leser - von Leser - 04.02.2013, 11:19
RE: Frage - von Gorbatz - 04.02.2013, 11:44
RE: Frage - von teardown - 04.02.2013, 13:57
RE: Frage - von K70-Ingo - 04.02.2013, 16:11
RE: Frage - von Leser - 04.02.2013, 14:12
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RE: Frage - von Leser - 04.02.2013, 16:17
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RE: Frage - von K70-Ingo - 04.02.2013, 17:47
RE: Frage - von Eugen613 - 07.02.2013, 20:05
RE: Frage - von Gorbatz - 08.02.2013, 13:00
RE: Frage - von ml91 - 08.02.2013, 14:07
RE: Frage - von K70-Ingo - 08.02.2013, 20:33
RE: Frage - von teardown - 08.02.2013, 23:29
RE: Frage - von rroft - 09.02.2013, 00:46
RE: Frage - von umergel - 09.02.2013, 17:32
RE: Frage - von Leser - 09.02.2013, 19:47
RE: Frage - von K70-Ingo - 09.02.2013, 20:03
RE: Frage - von umergel - 12.02.2013, 15:58
RE: Frage - von rroft - 12.02.2013, 23:09
RE: Frage - von umergel - 18.02.2013, 07:37
RE: Frage - von Gorbatz - 18.02.2013, 09:58
RE: Frage - von Rolle - 18.02.2013, 13:56
RE: Frage - von umergel - 18.02.2013, 20:15

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