09.02.2012, 10:32
(08.02.2012, 21:31)Balkonskij schrieb: Als wir in Deutschland ankamen, wirkten viele Menschen auf mich viel zu Ernst. Beziehungsweise sie nahmen sich selbst zu Ernst in unseren Augen.
Das hört man von Ausländern nicht selten über die Deutschen.
(04.02.2012, 11:08)teardown schrieb: ...
-Solidarität untereinander war vorhanden sowie Solidarität mit anderen Ländern z.B. Nicaragua.
Das lag nicht, wie in den Medien behauptet daran, dass es nicht viel zu kaufen gab usw. sondern daran, dass man schon in der Schule zur Solidarität erzogen wurde.
-Auswüchse des Kapitalismus, z.B. Waren-und Markenfetisch gab es nicht. Bei meiner Tochter in der Schule ist das echt schlimm.
-Materielle Dinge spielten nicht so eine große Rolle wie heute. Und ja, es ging auch ohne Telefon, genauso wie es in der DVRK bei vielen Menschen auch ohne Telefon gehen wird.
-Der Sozialismus ist eine Gesellschaftsordnung in der Neid und Mobbing weitestgehend verbannt wird.
-Zukunftsängste brauchte in der DDR niemand zu haben.
Wie aus dem Staatsbürgerkundebuch abgeschrieben....

(04.02.2012, 11:08)teardown schrieb: -Zukunftsängste brauchte in der DDR niemand zu haben.
Dieser Satz stimmt und stimmt auch wieder nicht. Klar war die Zukunft des einzelnen DDR-Bürgers "vorherbestimmt", aber das war ja grad das Beängstigende.
(08.02.2012, 21:31)Balkonskij schrieb: Ich lebte nicht in der DDR, sondern in der Sowjetunion, aber unsere sozialistischen Praxiserfahrungen scheinen sehr weit auseinander zu gehen. Ich kann zig Fälle von Neid und Missgunst aufzählen, mitunter führten sie zu schweren Konsequenzen für das Opfer. All das "Gelaber" von Freundschaft und Solidarität war genau das für mich - alles nur eine Fassade, ein Schauspiel, bei dem man automatisch mitspielte, weil man von kleinauf drauf gedrillt war. Aber wahre Solidarität war da nicht. Wenn man konnte, versuchte man heimlich Vorteile rauszuschlagen, wo es nur ging. Im Geheimen natürlich. Öffentlich war man immer der brave Genosse / гражданин. Allein wenn ich immer an die erniedrigenden Rituale denke, wenn man von irgendjemandem etwas wollte (Verkäufer, Beamte, ... ) und die einen dann so richtig spüren ließen, dass sie die "Macht" haben. (...) War das in der DDR auch so?
Klar gab es das auch in der DDR. Wer "Westbeziehungen" hatte, wurde darüber beneidet. Westklamotten tragen, war wie das Markenbewusstsein von heute. Westbeziehungen wurden beneidet, jeder, der im Intershop bezahlen konnte, wurde beneidet. Was aber typisch für die DDR war, war das Nischenwesen. Zurückziehen in sein privates "Glück" natürlich mit Freunden, Hobbys und Sammelleidenschaften, bauen, werkeln, selbst erfinden... Schmiergelder (möglichst "Blaue Fliesen" = D-Mark), gute Beziehungen, Tausch- und "Bückdich-Ware" für begehrte Dinge...
Klar sind viele Dinge auf die unmittelbare Nachbarschaft der BRD zurückzuführen, aber auch sogenannten nachgesagten "Deutschen Tugenden", wie Fleiß, Pünktlichkeit...
Wenn sich Freundschaft in einer Organisation "Deutsch-Sowjetische Freundschaft" mit Beitragszahlung und Nachsagung von "ungefestigtem Klassenstandpunkt" bei Verweigerung der Mitgliedschaft ausdrücken soll, dann ist es damit nicht weit her, genauso wie mit Solidarität durch Bezahlen einer "Soli-Marke" im Huckepack mit dem FDGB- (Gewerkschaft)beitrag.
Martin
