@Heinrich_Find:
Vielen Dank für diesen interessanten Link welcher einen idealen Ausgangspunkt für eine Diskussion zu aktuellen Dokumentationen über die DVRK liefert.
Es handelt sich um eine durchaus interessante, neue Doku, die mich im Anfang auf ein paar Änderungen in der Berichterstatung hoffen ließ. Bis auf ein paar Ausnahmen, verfällt der Bericht jedoch in Teilen wieder etwas in das alte Muster.
Leider beginnt alles in der üblichen Weise. Gut man gibt sich zwar, wie auch erwähnt, nicht gänzlich dem üblichen dem "Nordkorea Bashing" hin, verfällt jedoch auch in den bekannten Dokustil.
Zu Beginn wird wieder einmal das bekannte, nächtliche Satelittebild aus der Mottenkiste gezaubert, welches mit Sicherheit noch aus der Zeit des "Langen Marsches" in den 90ern stammt und die Engergienutzung von Nord- und Südkorea bei Nacht aufzeigt. Nordkorea liegt im Gegensatz zur extremen, energieverschwenderischen Nutzung des Südens im dunkleren Bereich. Kurz danach folgt das alte bekannte Kommentar, des angeblich zu geringen Autoverkehrs in der Metropole. Die rege Zunahme des Autoverkehrs in den letzten Jahren wird mit keinem Wort klar erwähnt. Ich selbst stand in Pyongyang bereits schon 15 Minuten ohne ersichtliche Verkehrsbehinderung im Stau. Aus Unkenntnis? Oder greift man hier auf Fakten aus dem Jahre 2002 zurück?
In der Schule werden Fremdsprachen wie Englisch, Französisch und Chinesisch seit einigen Jahren vermehrt gelehrt. Was früher weniger der Fall in den Bildungseinrichtungen war. Ein wichtiges Beispiel der Öffnung, internationalem Interesse und beginnenden Veränderung seitens der Regierung.
Das nordkoreanische, sozialistische Bildungssystem wird recht unverstanden dargestellt. Leider. Auch im Kontext zu anderen üblichen, sozialistischen Bildungskonzepten wie in China, Vietnam oder im einstigen Ostblock. Als ob es diese Form nur in der DVRK gegeben hätte. Hätte man chinesische oder russische Schüler vor Jahren nach der Meinung zu den USA gefargt, hätte man die gleiche Antwort erhalten. Das die DVRK eine ganz spezifische Haltung zu der US Politik hat ist bekannt.
Die übliche, unvermeidliche Journalistenfrage nach der Meinung der Schüler zu den USA, zwingt diese zu Verlegenheit und Redezwang.
Wie würden schweizer Schüler darauf reagieren, würde man US Journalisten in eine schweizer Schule lassen und die Kinder dort, unvorbereitet nach der schweizerischen Ausländerpolitik oder Steueraffären ausfragen?
Für das Land entscheidende Neuerungen und positive Errungenschaften, werden wieder etwas reisserisch, hönisch dargestellt. Warum?...
Bsp. die gezeigte Kartoffelschnapsfabrik in Verbindung mit dem schweizer Landwirtschaftsentwicklungsprojekt. Für einen unwissenden Betrachter klingt es so als würde hier fast schwerpunktmäßig Schnaps für den Export als Haupteinahmequelle produziert. Das dies nur ein Teil der Kartoffelknollen Verwertung darstellt, wird viel zu wenig hervorgehoben. Man sucht förmlich etwas im Kaffesatz nach Negativbeispielen.
Der Besuch der U-Bahn. Eine Reise in die 50er und 60er Jahre? Was ist dann also der Besuch der Altstädte von Zürich oder Bern, oder anderen Plätzen, Infrastuktur und Verkehrswegen auf der Welt? Wurde die neue Kleidung der Bevölkerung im nachgehen ihrer alltäglichen Beschäftigungen denn gar nicht wahrgenommen. Ein wichtiger Wandel der letzten Jahre.
André Lüthi als Nordkoreabereister faßt es an einigen Stellen des Berichtes und im anschließenden chat nach Ausstrahlung der Dokumentation gut mit den Zitaten (teils chin. Sprichwörter) in Worte: "Einmal sehen ist besser als tausendmal hören", oder "Die gefährlichste Weltanschaung ist die derer, welche die Welt nicht angeschaut haben". Hier entlarvt das Reporterteam ironischerweise, seine eigene Herangehensweise oder diesen Bericht, wohl unbewusst, oder bewusst?...selbst. Wurde man hier einfach Opfer der westlichen Medienmacher?
Gerade die leisen, dezenten Öffnungbestrebungen sind ja ansich für den Westen, die Nachbarstaaten und die Welt von entscheidender Bedeutung. Z.B wird dies in den Gesprächen über die neuen Tourismuskonzepte deutlich. Stattdessen konzentriert man sich hier im Bericht bspw. wieder auf noch aktuell bestehende Hindernisse, Umstände etc die im Vorfeld dieser Bestrebungen liegen. Für die DVRK ansich sind solche Schritte von großer Bedeutung. Es wird schlichtweg mit westlichen Maßstäben gemessen.
Zumindest werden die Menschen nicht ganz wie Zootiere präsentiert und manche der dezenten Veränderungen in der nordkoreanischen Gesellschaft aufgezeigt. Auch besonders Dank Lüthis Kommentaren und Erfahrungen.
Nordkorea kann für jeden immer das sein, ganz wie er es betrachten will. Die eigene Erfahrung kann einzig der Lehrer sein, sein eigenes Weltbild zu ändern.
Zum Ende noch ein passendes Zitat:
Lt. Patrizia Laeri: "Jeder vorverurteilt wohl Nordkorea, weil fast niemand je da war."
Auch wir im Westen leben in einer medial, reglementierten Gesellschaft.
Vielen Dank für diesen interessanten Link welcher einen idealen Ausgangspunkt für eine Diskussion zu aktuellen Dokumentationen über die DVRK liefert.
Es handelt sich um eine durchaus interessante, neue Doku, die mich im Anfang auf ein paar Änderungen in der Berichterstatung hoffen ließ. Bis auf ein paar Ausnahmen, verfällt der Bericht jedoch in Teilen wieder etwas in das alte Muster.
Leider beginnt alles in der üblichen Weise. Gut man gibt sich zwar, wie auch erwähnt, nicht gänzlich dem üblichen dem "Nordkorea Bashing" hin, verfällt jedoch auch in den bekannten Dokustil.
Zu Beginn wird wieder einmal das bekannte, nächtliche Satelittebild aus der Mottenkiste gezaubert, welches mit Sicherheit noch aus der Zeit des "Langen Marsches" in den 90ern stammt und die Engergienutzung von Nord- und Südkorea bei Nacht aufzeigt. Nordkorea liegt im Gegensatz zur extremen, energieverschwenderischen Nutzung des Südens im dunkleren Bereich. Kurz danach folgt das alte bekannte Kommentar, des angeblich zu geringen Autoverkehrs in der Metropole. Die rege Zunahme des Autoverkehrs in den letzten Jahren wird mit keinem Wort klar erwähnt. Ich selbst stand in Pyongyang bereits schon 15 Minuten ohne ersichtliche Verkehrsbehinderung im Stau. Aus Unkenntnis? Oder greift man hier auf Fakten aus dem Jahre 2002 zurück?
In der Schule werden Fremdsprachen wie Englisch, Französisch und Chinesisch seit einigen Jahren vermehrt gelehrt. Was früher weniger der Fall in den Bildungseinrichtungen war. Ein wichtiges Beispiel der Öffnung, internationalem Interesse und beginnenden Veränderung seitens der Regierung.
Das nordkoreanische, sozialistische Bildungssystem wird recht unverstanden dargestellt. Leider. Auch im Kontext zu anderen üblichen, sozialistischen Bildungskonzepten wie in China, Vietnam oder im einstigen Ostblock. Als ob es diese Form nur in der DVRK gegeben hätte. Hätte man chinesische oder russische Schüler vor Jahren nach der Meinung zu den USA gefargt, hätte man die gleiche Antwort erhalten. Das die DVRK eine ganz spezifische Haltung zu der US Politik hat ist bekannt.
Die übliche, unvermeidliche Journalistenfrage nach der Meinung der Schüler zu den USA, zwingt diese zu Verlegenheit und Redezwang.
Wie würden schweizer Schüler darauf reagieren, würde man US Journalisten in eine schweizer Schule lassen und die Kinder dort, unvorbereitet nach der schweizerischen Ausländerpolitik oder Steueraffären ausfragen?
Für das Land entscheidende Neuerungen und positive Errungenschaften, werden wieder etwas reisserisch, hönisch dargestellt. Warum?...
Bsp. die gezeigte Kartoffelschnapsfabrik in Verbindung mit dem schweizer Landwirtschaftsentwicklungsprojekt. Für einen unwissenden Betrachter klingt es so als würde hier fast schwerpunktmäßig Schnaps für den Export als Haupteinahmequelle produziert. Das dies nur ein Teil der Kartoffelknollen Verwertung darstellt, wird viel zu wenig hervorgehoben. Man sucht förmlich etwas im Kaffesatz nach Negativbeispielen.
Der Besuch der U-Bahn. Eine Reise in die 50er und 60er Jahre? Was ist dann also der Besuch der Altstädte von Zürich oder Bern, oder anderen Plätzen, Infrastuktur und Verkehrswegen auf der Welt? Wurde die neue Kleidung der Bevölkerung im nachgehen ihrer alltäglichen Beschäftigungen denn gar nicht wahrgenommen. Ein wichtiger Wandel der letzten Jahre.
André Lüthi als Nordkoreabereister faßt es an einigen Stellen des Berichtes und im anschließenden chat nach Ausstrahlung der Dokumentation gut mit den Zitaten (teils chin. Sprichwörter) in Worte: "Einmal sehen ist besser als tausendmal hören", oder "Die gefährlichste Weltanschaung ist die derer, welche die Welt nicht angeschaut haben". Hier entlarvt das Reporterteam ironischerweise, seine eigene Herangehensweise oder diesen Bericht, wohl unbewusst, oder bewusst?...selbst. Wurde man hier einfach Opfer der westlichen Medienmacher?
Gerade die leisen, dezenten Öffnungbestrebungen sind ja ansich für den Westen, die Nachbarstaaten und die Welt von entscheidender Bedeutung. Z.B wird dies in den Gesprächen über die neuen Tourismuskonzepte deutlich. Stattdessen konzentriert man sich hier im Bericht bspw. wieder auf noch aktuell bestehende Hindernisse, Umstände etc die im Vorfeld dieser Bestrebungen liegen. Für die DVRK ansich sind solche Schritte von großer Bedeutung. Es wird schlichtweg mit westlichen Maßstäben gemessen.
Zumindest werden die Menschen nicht ganz wie Zootiere präsentiert und manche der dezenten Veränderungen in der nordkoreanischen Gesellschaft aufgezeigt. Auch besonders Dank Lüthis Kommentaren und Erfahrungen.
Nordkorea kann für jeden immer das sein, ganz wie er es betrachten will. Die eigene Erfahrung kann einzig der Lehrer sein, sein eigenes Weltbild zu ändern.
Zum Ende noch ein passendes Zitat:
Lt. Patrizia Laeri: "Jeder vorverurteilt wohl Nordkorea, weil fast niemand je da war."
Auch wir im Westen leben in einer medial, reglementierten Gesellschaft.
