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Die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet heute die folgende Meldung:
"Nordkorea erklärt alle Abkommen mit Süden für nichtig"
Kann man so etwas glauben?
Ich habe bei der angeführten Nachrichtenagentur KCNA keinen Hinweis darauf gefunden.
Es würde ja nicht nur die Abkommen über den gegenseitigen Reiseverkehr sondern auch die Sonderwirtschaftszonen, vereinbarte Hilfslieferungen und Festlegungen mit einer Seite der 6-Parteien-Gespräche betreffen.
Gleichzeitig würde eine ernste Situation entstehen.
Kann das jemand in kurzer Zeit erklären?
Die englischsprachige KCNA-Seite ist immer einen Tag hinterher.

In koreanischer Sprache wurde diese Meldung in den nordkoreanischen Medien natürlich veröffentlicht, wie z.B. hier in der Choson Sinbo: http://www.korea-np.co.jp/news/ViewArtic...leID=35221

sepp811

Heute ist die Meldung auch bei der englischsprachigen KCNA online.
Die Aufkündigung aller Verträge wird zu einer weiteren Stärkung der Juche (Isolation) führen.
Es wird so etwas wie eine Art Solidarität zwischen den 5 anderen Teinehmern der 6-Parteien-Gespräche entstehen,
jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, daß die anderen Teilnehmer enger zusammenrücken.
Ausnahme dabei wird China sein. Weshalb gab es sonst eine Woche vorher ein Freundschaftstreffen.
Momentan ist ein derartiges Verhalten nicht mit der Verlagerung innerer Probleme nach außen erklärbar.
Was mich immer wieder verwundert, ist das plötzliche Abtauchen, die Sprachlosigkeit, der Forumsmitglieder koreanischer Foren, insbesondere bei www.[gelöscht].com.
Gerade sie, als Träger der wissenschaftlichen Weltanschauung, sollten ein paar klärende Worte bereit haben.
Wie immer werden erst nach Bekanntgabe weiterer Informationen und Erläuterungen über die Beweggründe oftmals haarstreubende Zusammenhänge entdeckt.
Es wird reagiert statt agiert. Eigene Gedanken kommen nicht auf.
Um Mißverständnissen vorzubeugen, auch wenn sie bloß reagieren, halte ich sie nicht für Reaktionäre. Obwohl eine enge Wortverwandschaft existiert.

Wie dem auch sei, die imperialistischen Medien berichten, daß China und USA in der koreanischen Frage enger zusammenrücken wollen.
Ich habe mich getäuscht, jedenfalls hinsichtlich der Position Chinas.
Anscheinend hat nun auch das befreundete China der UN-Resolution 1874 zugestimmt, ja war gar tatkräftig an der Ausarbeitung beteiligt.

sepp811

Ich denke nicht, dass man das chinesische Verhalten als Abkehr von Nordkorea deuten kann. Leider habe ich nur Auszüge der Resolution gefunden, aber Auszüge sind ja meistens die Highlights. Und wenn die Aufforderung zu verstärkten Frachtschiffkontrollen das Wichtigste ist, hat China erfolgreich daran gearbeitet, dass die Resolution ein zahnloser Tiger ist. Hätten hier andere Länder, wie z. B. die USA oder Japan, den Ton angegeben, wäre bestimmt etwas anderes herausgekommen. Für mich zeigt das eher, dass der politische Zusammenhalt zwischen den beiden Ländern immer noch gut funktioniert.
Nun ja, China Radio Internaional berichtet folgendes:

Beijing
Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Qin Gang hat am Samstag erklärt, die chinesische Regierung trete entschieden gegen das wiederholte Atomtest Nordkoreas auf.
Der Weltsicherheitsrat hat am Freitag einstimmig die Resolution Nummer 1874 angenommen. Darin wurde das nordkoreanische Atomtest am schärfsten verurteilt.
Qin Gang sagte, Nordkorea habe die betreffenden UN-Resolutionen verletzt und Frieden und Stabilität im Nordosten Asiens beeinträchtigt. China unterstütze, dass sich der Weltsicherheitsrat angemessen und ausgewogen auf Nordkoreas Atomtest reagiere. China habe sich verantwortungsvoll und konstruktiv an den betreffenden Diskussionen beteiligt. Die angenommene UN-Resolution zeige, dass die internationale Gemeinschaft entschieden gegen Nordkoreas Atomtest sei.

Ich weiß nicht, ob China Radio International eine sogenannte zuverlässige Quelle ist, schließlich ist der Nachrichtendienst nicht in Nordkorea beheimatet. Aber die Aussage des Sprecher des Außenministeriums Chinas "Nordkorea habe die betreffenden UN-Resolutionen verletzt und Frieden und Stabilität im Nordosten Asiens beeinträchtigt" ist ein starkes Stück.

sepp811

Es ist schon ein etwas neuer Ton, das China überhaupt Kritik übt. Wahrscheinlich bestehen für das heutige China soviele Abhängigkeiten, insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht, dass man glaubte, sich eine generelle Blockade gegen die Resolution nicht leisten zu können. Trotzdem steckt in dieser sehr weichen Resolution meiner Meinung nach die chinesische Pro-Nordkorea-Handschrift drin. Wer sonst hätte eine so harmlose Resolution geschaffen, wo doch eigentlich der Rest der Welt ziemlich geschlossen gegen Nordkorea ist? Ich könnte mir vorstellen, dass es für China in dieser Situation schwierig ist den Spagat zu schaffen zwischen dem für die Wirtschaft wichtigen Westen und der alten Brüderschaft zu Nordkorea. Mit der grundsätzlichen Kritik und Mitarbeit einerseits und der größtmöglichen Abschwächung andererseits hat man es geschafft keine Seite wesentlich zu verärgern.
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