Zum Atomwaffentest am 9. Oktober 2006:
Interview mit dem Kommunikationssekretär der Koreanischen Freundschaftsgesellschaft (KFA)[1].
Das Interview führte Klaus Müller. Sein Gesprächspartner war Mario, Kommunikationssekretär der Korean Friendship Association in Deutschland.
Frage: Die Koreanische Demokratische Volksrepublik Korea (KDVR) führte am 9.10.2006 einen Atomwaffentest durch. Die Reaktionen zu diesem Test in der Welt sind überwiegend sehr kritisch und ablehnend. Was sind die Gründe der DVRK für diesen Test?
Antwort: Die Gründe des Atomtests sind ausschließlich Gründe der Selbstverteidigung. Seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 hat die USA der KDVR kontinuierlich mit Angriffen gedroht. In Südkorea sind bis heute rund 37.000 US-Soldaten stationiert. Überdies ist Südkorea von einer Vielzahl von US-Militärbasen überzogen, wo eine Unzahl von Atomwaffen gelagert sind, deren Sprengköpfe drohend auf Nordkorea gerichtet sind. Die US-Imperialisten geben ihre in Südkorea stationierten Truppen immer noch widerrechtlich als "UNO-Kommando" aus und weigern sich stur, ihre Truppen abzuziehen. Ihre Absicht ist immer noch die Zerschlagung des sozialistischen Juche[2]-Koreas. Die andauernde Aggression der USA und ihrer Verbündeten in Asien zwingen die KDVR zu einer hohen Verteidigungsbereitschaft. Das sind die Gründe für den Test.
Frage: Was bezweckt die KDVR mit dem Test und wozu benötigt sie überhaupt Atomwaffen?
Antwort: Der Nukleartest dient der weiteren Entwicklung der nordkoreanischen Verteidigung. Die USA verstärkten seit 2002 drastisch die Invasionsdrohungen gegen die KDVR. Bush spricht ja von der "Achse des Bösen" und den "Massenvernichtungswaffen des Diktators Kim Il Sung." Das gleiche Spiel inszenierte er vor dem Überfall auf den Irak. Auch Japan gebärdet sich zunehmend aggressiver und droht der KDVR offen mit Krieg.
Frage: Erklären die koreanischen Raketen nicht die besonders aggressive Reaktion des Nachbarn Japan?
Antwort: Die KDVR bedroht niemanden mit ihren Raketen. Die angebliche Raketenbedrohung ist nur ein Vorwand der japanischen Imperialisten. Völlig unter den Tisch fällt bei der imperialistischen Berichterstattung, dass das(faschistische) Japan von 1910 - 1945 eine grausame Kolonialherrschaft sowie die totale Versklavung des koreanischen Volkes vollzogen hatte. Es war z. B. ein schwerer Straftatbestand, während der japanischen Okkupation Koreanisch zu sprechen.
Die gemeinsamen Manöver der japanischen "Selbstverteidigungs"-Streitkräfte mit der US-Armee in den Gewässern um Korea häuften sich in letzter Zeit.
Japan hat unlängst sogar seine Nachkriegsverfassung, die ihm die Entsendung von Truppen ins Ausland untersagte, abgeändert und im Schatten des "Anti-Terror-Krieges" Kriegsschiffe in den Indischen Ozean entsandt, um US-Angriffe in Afghanistan im Bedarfsfall zu unterstützen. Ganz offen provozierte Japans Ministerpräsident Koizumi Korea und die VR China mit seinem wiederholten Besuch am Schrein für gefallene japanisch-faschistische Kriegsverbrecher. In seinen neuesten Schulbüchern leugnet Japan seine Kriegsverbrechen!
Frage: Beabsichtigt die KDVR Atomwaffen einzusetzen und gegebenenfalls gegen wen?
Antwort: Die KDVR hat absolut keine Absichten, seine Nachbarn mit Atomwaffen anzugreifen. Laut gültiger Verfassung der KDVR sind Angriffskriege verboten. Nicht ein Jounalist kommt auf die simple Idee, in der Verfassung Nordkoreas nachzuschauen. Es wird nur hemmungslos die von der US-Republikanischen Partei finanzierte "Anti-Nordkorea-Kampagne" wiedergegeben! Die US-Republikaner stellten für diese Propagandakampagne 20 Millionen US-Dollar bereit. Die KDVR kann nicht Zuschauer sein und zulassen, dass Washington einen souveränen Staat bedroht. Die nukleare Bewaffnung dient allein der Sicherheit des sozialistischen Juche-Koreas. Jetzt, wo die USA wissen, dass die KDVR Atomwaffen besitzt, werden sie zweimal überlegen, ob sie Korea angreifen.
Die arroganten US-Imperialisten wollen alle Länder dieser Welt kontrollieren. Es ist ja nicht so, dass nordkoreanische Truppen in Alaska stehen, aber es ist seit 1953 eine Realität, dass US-Truppen in Südkorea stehen.
Frage: Die KDVR steht ziemlich alleine in der Welt. Wird sie das durchhalten?
Antwort: Nach dem Fall der Sowjetunion seit 1991 treibt der US-Imperialismus seine Weltherrschaftspläne immer hemmungsloser voran. Nach der Konterrevolution in Europa bereitet sich Washington nun auf die Liquidierung des Sozialismus in Asien vor.
In dieser explosiven Lage ist die Songun-Politik[3] (Armee-Bevorzugungs-Politik) des Genossen Marschall Kim Jong Il von großer Bedeutung. Diese Politik ist absolut richtig. Sie wird so lange praktiziert, wie Korea von feindlichen imperialistischen Mächten umzingelt und bedroht ist. Die Verteidigung des Mutterlandes ist für Kim Jong Il oberste Priorität. Die kampferprobte Koreanische Volksarmee wird jeden Aggressor bezwingen. Wer es wagt, Nordkorea anzugreifen, wird vernichtet. Wer die Flamme des Krieges entzündet, wird selber in diesen Flammen umkommen. Viele junge Männer und Frauen melden sich voller Begeisterung und Patriotismus für den Dienst in der Volksarmee. Die ganze Armee schart sich fest und geschlossen wie ein Mann um den Genossen Kim Jong Il. Die koreanische Volksarmee ist eine echte Armee des Volkes. Sie kämpft für die Verteidigung der auf der sozialistischen Juche-Idee gegründeten Gesellschaft, die die Volksmassen in den Mittelpunkt stellt. Die Soldaten stehen immer an der Seite des Volkes.
Die Soldaten helfen bei der Ernte, arbeiten in Kooperativen und Fabriken, bauen Straßen, Staudämme, Wohnungen und Erholungsheime für Werktätige. Wo auf der Welt gibt es so etwas ? Nirgends, außer im sozialistischen Korea! Die Armee ist Dienerin des Volkes. Darum liebt das Volk seine Armee. Die KDVR wird diese Herausforderung meistern.
Frage: Besteht nicht die Gefahr, dass die Bevölkerung Nordkoreas den Verlockungen des kapitalistischen Konsums erliegt und die Juche-Politik der Autarkie und des Fortschritts aus eigener Kraft ablehnt?
Antwort: Nein diese Gefahr sehe ich nicht. Ich habe 2006 selbst Nordkorea bereist. Die Erinnerung an die 35 jährige Okkupation und Ausplünderung der Menschen und des Landes durch Japan ist in der koreanischen Bevölkerung sehr lebendig. Die Menschen haben weder die bestialischen Gräueltaten der japanischen Okkupanten noch die fürchterlichen Gräueltaten der US-Truppen während des Koreakrieges vergessen. Das will die koreanische Bevölkerung nicht noch einmal durchleiden. Darum stehen die Menschen in Korea zur Politik ihrer Führung und sind auch bereit dafür Opfer zu bringen. Sie werden diesen kapitalistischen Verlockungen nicht erliegen, weil sie sehr gut wissen, dass dies nur das Einfallstor für die Kapitalisten wäre um sie erneut zu versklaven. Dies beweisen übrigens aktuell zahllose Beispiele in anderen Ländern der Welt.
Frage: Was sagen sie zu der kritischen Haltung des engsten Verbündeten China?
Antwort: Die Chinesische Volksbefreiungsarmee war schon vor Gründung der KDVR am 9.September 1948 ein großer Freund. Mao-Tse-Tung half während des Korea-Krieges mit Freiwilligenverbänden. Es bestehen zahlreiche militärische und wirtschaftliche Abkommen. Im Grunde genommen sind sich die VR China und die KDVR einig: Beide wollen eine atomwaffenfreie koreanische Peninsula. Der KDVR-Botschafter bei der UN in New York hat es gestern wieder bestätigt. Nordkorea ist sofort zum Abzug von allen Atomwaffen bereit, wenn die US-Regierung zu Verhandlungen bereit ist und ihre aggressiv-kriegerische Haltung aufgibt. China bemüht sich um eine gewaltfreie, diplomatische Lösung. Wirtschaftliche Sanktionen bzw. ein Handelsembargo, das Japan seit Freitag beschlossen hat, sind aus chinesischer Sicht völlig ungeeignet. China gefällt dieser Atomtest nicht und das hat es auch klar formuliert. Aber China wird auch weiter ein treuer Verbündeter, Freund und Handelspartner Nordkoreas bleiben.
Frage: Bush sprach von einer Bedrohung des Weltfriedens und forderte eine unmittelbare Antwort des UN-Sicherheitsrats. Wie beurteilen Sie diese Aussage?
Antwort: Die KDVR bedroht niemanden und führt gegen kein Land in der Welt Krieg. Die USA führen seit 60 Jahren permanent Krieg gegen irgendwelche Länder. Ich nenne nur ihre Kriege gegen Korea und Vietnam und seit 2002 gegen Afghanistan und Irak. Gleichzeitig führte und führt das Imperium viele schmutzige und verdeckte Kriege in Lateinamerika, Afrika und Asien. Die Geheimdienste der USA spielen bei allen Konflikten weltweit eine führende und üble Rolle. Der UN-Sicherheitsrat wird weitgehend von den USA für seine Interessen instrumentalisiert. Sehen Sie sich die Realität in der Welt an, dann gibt es nur eine richtige Antwort auf die Frage nach der Bedrohung des Weltfriedens. Die USA bedrohen den Weltfrieden und versuchen militärisch schwächere Länder mit der Drohung Nuklearwaffen gegen sie einzusetzen zu erpressen und einzuschüchtern, wie sie das gegenüber dem Iran taten.
Frage: Blair bezeichnete das Vorgehen der KDVR als "völlig unverantwortlich" und stellte "harte Sanktionen" in Aussicht. Welche Positionen vertreten Sie zu dieser Drohung?
Antwort: Blair ist lediglich der Köter von Bush und kläfft das Lied, welches dieser ihm aufträgt. Vergessen wir nicht, dass Großbritannien als frühere Kolonialmacht auch in den letzten Jahren wieder gern - im Schatten des großen Bruders USA - imperialistische Macht werden will. Wenn die Bush-Regierung Blair morgen fragen würde, ob er auch mit britischen Truppen die USA bei einer Intervention gegen die KDVR unterstützen wolle, würde Blair nicht einen Moment zögern. Die sozialdemokratische (!) Blair-Regierung ist also ein verlässlicher Vollstrecker der Bush-Regierung und macht deshalb den Schulterschluss.
Frage: Der frühere NATO-Generalsekretär und jetzige Außenbeauftragte der EU-Imperialisten Javier Solana erklärte, der Test zeige, dass das Regime falsche Prioritäten setze und dass die Menschen in Nordkorea deshalb hungern müssten. Ist es richtig, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in Nordkorea aufgrund des Atomprogramms leidet?
Antwort: Die Versorgung mit Lebensmitteln ist normal, es gibt keinen Hunger. Diese Lügen sind von den Imperialisten (ohne Beweise !) in Umlauf gebracht worden, um die KDVR zu diskreditieren. Die Selbstverteidigung ist eine Frage über Leben und Tod, eine Existenzfrage. Nur das Atomprogramm wird die imperialistischen Kriegstreiber von einem Angriff auf Nordkorea zurückhalten. Die EU hat versteckte imperiale Großmachtspläne. Sie geht dabei sehr klug vor mit der Taktik des "Wolfs im Schafspelz". Durch zahlreiche politische "Stiftungen" (in der BRD besonders die Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich Naumann-Stiftung, Adenauer-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung etc. arbeiten die EU-Imperialisten mit einem Masterplan zum "friedlichen" Umsturz durch gezielte Infiltration, Finanzierung der ihr genehmen Opposition sowie dem Ausbreiten des westlichen Kulturimperialismus auf den Gebieten Kunst, Kultur, Musik, westlicher "Lebensstil" etc. Die hohen Begriffe "Demokratie und Menschenrechten" stets auf den Lippen aber in Wirklichkeit freie Bahn für die europäischen Konzerne. Am Ende steht immer die Konterrevolution und das Ende des Sozialismus.
Frage: Der Unterhalt und Ausbau einer schlagkräftigen Armee steht in der DVRK an der Spitze der Prioritäten. Ist das notwendig und noch zeitgemäß?
Antwort: Die Songun-Politik (Bevorzugung der Armee in kritischen Zeiten) des Genossen Marschall KIm Jong Il ist der effektivste Schutz vor einer drohenden Invasion. Sie werden die Kriegspläne der USA, Japans und der südkoreanischen Ultrakonservativen mit energischen und entschlossenen Massnahmen zum Scheitern bringen. Auf die harte Unnachgiebigkeit Washingtons antwortet Nordkorea mit noch härterer Unnachgiebigkeit.
Frage: Steht die Bevölkerung der DVRK hinter der Politik ihrer Führung?
Antwort: Die Bevölkerung Nordkoreas steht wie ein Block und wie eine Familie hinter der Koreanischen Arbeiterpartei und ihrer revolutionären Führung. Das ist für die individualistisch denkenden Europäer vielleicht schwer verständlich aber es ist so ! Von Kindheit an ist wird die Jugend im kollektiven Geiste erzogen - westlicher Egoismus, Individualismus und Konkurrenzdenken sind der Bevölkerung fremd. Das Leben in der Familie ist sehr harmonisch und es gibt zu 98 % keine Scheidungen. Das Volk ist wie eine Familie und die momentane Bedrohung schweißt es weiter zusammen. Der "neue Mensch" ist im kommunistischen Korea schon heute eine Realität.
Frage: Welche Länder bedrohen die DVRK?
Antwort: Neben der USA und dem US-Marionettenregime in Südkorea besonders Japan und auch Australien, dass schon der USA angeboten hat, Kriegsschiffe zu schicken. Darüber hinaus auch die EU - wie schon erwähnt.
Frage: Wie konkret ist die Bedrohung?
Antwort: Sie planen einen zweiten Korea-Krieg unter dem Codenamen "Operationsplan 5027-98". Dieser Plan sieht etappenweise die Besetzung ganz Nordkoreas einschließlich der Hauptstadt Pyongyang und den Sturz und die Beseitigung der Regierung der KDVR vor. Die dauernden Militärmanöver (wie "Team Spirit", "Ulji Focus Lens" und "Hwarang") der US-Armee gemeinsam mit den südkoreanischen Truppen dienen einem Überfall auf die KDVR.
Frage: Wie sehen Sie die Entwicklung in der absehbaren Zukunft?
Antwort: Die westlichen Länder, welche dem sozialistischen Korea lange Zeit feindlich gegenüberstanden, müssen erkennen, dass die KDVR auch militärisch ein wichtiger Faktor in der Weltpolitik geworden ist. Der Genosse Marschall Kim Jong Il hat aus der KDVR eine militärische Großmacht geformt, die niemand ungestraft überfallen kann.
Auch in der Bewegung der Blockfreien Staaten, der Korea im August 1975 beigetreten war, spielte die KDVR bald eine führende Rolle als Vorbild und Modell der befreiten Kolonien.
Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus in Osteuropa und dem Zerfall der Sowjetunion verteidigte der Genosse Kim Il Sung das rote Banner des Marxismus-Leninismus und der Juche-Idee und rettete die kommunistische Weltbewegung aus der schwersten Krise ihrer Geschichte. Im April 1992 nahmen die Delegationen vieler kommunistischer Parteien, die zu Feier des 80. Geburtstages des Präsidenten Kim Il Sung nach Pyongyang gekommen waren, die "Pyongyanger Erklärung" an: "Verteidigen und fördern wir die Sache des Sozialismus."
Mehr Information bieten die zahlreichen Seiten der Korean Friendship Association (KFA)[4]
Genosse Mario, wir danken Dir sehr für das Gespräch.
[2] Die Juche-Ideologie (gesprochen Schutsche, von koreanisch: Juche: Selbstständigkeit, Autarkie) ist eine Ideologie, die vom 1994 verstorbenen Präsidenten der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (KDVR/Nordkorea) Kim Il-sung während des anti-japanischen Partisanenkrieges 1930 entwickelt wurde. Das Volk ist der Meister seiner Revolution, alles soll aus eigener Kraft erreicht werden, unabhängig, kreativ im Kollektiv. Die Revolution kann weder importiert noch exportiert werden. Ausländer werden eine Revolution nicht für andere Völker machen. Die Einheit, der Kampf gegen Revisionismus, Karrieristen und Sektierer innerhalb der Partei ist von Bedeutung. Politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit sowie nationale Verteidigungsbereitschaft sind die Eckpfeiler. Juche ist keine Abweichung vom Marxismus-Leninismus (wie von Antikommunisten oft behauptet wird) sondern es ist seine schöpferische Weiterentwicklung. Siehe dazu den Aufsatz von Kim Jong Il zum Geburtstag von Karl Marx: "Unter dem hoch erhobenen Banner der Juche-Ideologie und des Marxismus-Leninismus". (Zu lesen auf der Homepage von www.nordkorea-info.de)
[3] Politik, die der Verteidigungsbereitschaft höchste Priorität einräumt.
[4] http://www.korea-dpr.com
Für die offiziellen Nachrichten und Stellungnahmen zum Test der Langstreckenrakete im Juli 2006 klicken Sie bitte hier.